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Main-Kinzig · Aschaffenburg

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2003, Nr. 205, S. 50  



Eine Million für die Überwindung der Schwerkraft

Erfolgreicher Unternehmer Michael Göde stiftet Preis
 
WALDASCHAFF. Michael Göde hatte "prima Entscheidungsgründe", weshalb er nach dem Studium Stellenangebote ausschlug und lieber selbständig blieb. "Ich wollte keine Krawatte anziehen und nicht vor zehn Uhr morgens arbeiten", sagt der 47 Jahre alte Unternehmer und lacht zufrieden.

Dazu hat er auch allen Grund. Die Erfolgsgeschichte des gebürtigen Berliners, der heute in Aschaffenburg lebt und dessen "Bayerisches Münzkontor" in Waldaschaff im Münzhandel weltweit die Nummer eins und der Welt viertgrößter Versender für Sammlerbedarf ist, hatte in einem Gartenhäuschen in Würzburg begonnen. Weil er das Studium der Betriebswirtschaft langweilig und praxisfern fand, meldete er 1978 den "Astrophilatelistischen Spezialversand Michael Göde" als Gewerbe an.

Das Unternehmen florierte. 1982 zog Göde nach Aschaffenburg, stellte die ersten beiden Mitarbeiter ein und erweiterte das Sortiment nach und nach um Briefmarken aus aller Welt, um Münzen und Medaillen, Sonderprägungen, Orden, Telefonkarten, Modellautos, Polizeiabzeichen, Banknoten und Zinneisenbahnen. 1993 folgte der Umzug in das neue Betriebsgebäude in Waldaschaff.

Heute beschäftigt die Göde-Gruppe nach eigenen Angaben bei einem Umsatz von gut 120 Millionen Euro 480 feste Mitarbeiter, die europaweit mehr als fünf Millionen Kunden betreuen. Mit jährlich über 50 Millionen Sendungen ist das Unternehmen zudem der größte Postkunde am Bayerischen Untermain. Ende dieses Monats feiert Göde das fünfundzwanzigjährige Bestehen seines Unternehmens. Doch es ist nicht dieses Jubiläum, mit dem der Alleininhaber und Geschäftsführer jüngst Aufmerksamkeit erregte. Die von ihm 1999 gegründete Göde Wissenschafts-Stiftung lobte vor zwei Wochen den Göde-Preis zur Überwindung der Schwerkraft aus, der mit einer Million Euro dotiert ist.

Was auf den ersten Blick nach einer etwas wunderlichen Idee klingt, ist dem Siebenundvierzigjährigen ein ernsthaftes Anliegen. Göde kritisiert, daß sich der technische Fortschritt seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verlangsamt habe und kaum noch grundlegende Erfindungen gemacht würden. Der Unternehmer hält der etablierten Wissenschaft vor, sie befinde sich in der Gravitationsforschung in der Sackgasse.

An seinem Gravitationsforschungsinstitut (GFI) in Waldaschaff beschäftigt er acht Naturwissenschaftler (auf fester und freier Basis), die in einem gut ausgestatteten Labor nicht nur bereits bekannte Versuchsbeschreibungen nachbauen und überprüfen, sondern seit kurzem auch eigene Experimente durchführen. "Diese Modelle haben das Recht, verrückt zu sein", heißt es auf der Internetseite des GFI. Göde geht es nicht um bekannte Levitations-Effekte, die auf der Wirkung von Aerodynamik, Magnetismus oder Elektrizität beruhen, sondern um eine direkte Beeinflussung der Gravitationskraft. "Den esoterischen Bereich erforschen wir nicht", stellt er klar.

Gödes Faszination für die Schwerkraft rührt von seinem Interesse für die Raumfahrt her. Mit dem heutigen Feststoffantrieb sei der Weltraum nicht zu erobern, ist er überzeugt. Das gehe nur mit alternativen Systemen. Und die Beeinflussung der Gravitation sei eines davon. Bei der Überwindung der Schwerkraft denkt er allerdings nicht nur an das Weltall, sondern auch an die Wirtschaft, die nach seiner Ansicht zu 80 Prozent aus Logistik besteht. Für ihn bietet der Gedanke, sich selbst oder Gegenstände wirtschaftlich preiswert in der dritten Dimension bewegen zu können, unvorstellbare Vorteile. "Wir müßten dann beispielsweise nicht mehr im Stau stehen", sagt Göde, der sich auch vorstellen kann, daß Steine für den Hausbau nicht mehr mit dem Lastwagen, sondern direkt durch die Luft zum Ziel gebracht werden könnten.

Zweiflern hält er entgegen, daß man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch noch geglaubt habe, die Eisenbahn dürfe nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren, weil der Mensch sonst ersticke. Oder man habe sich nicht vorstellen können, daß sich etwas, das schwerer als Luft ist, erheben könne. "Inzwischen sind diese Vorbehalte widerlegt. Warum also sollten wir nicht die Kraft beherrschen lernen, die uns auf dem Boden hält?" Göde weiß zwar, daß die etablierte Physikerwelt daran nicht glaubt, "aber ich bin da anderer Meinung", sagt er selbstbewußt. Der Unternehmer rechnet nicht damit, daß es bis zum Einsendeschluß des Wettbewerbs Ende 2004 gelingen wird, das Rätsel der Gravitation zu lösen. Er wisse nicht einmal, ob er selbst das noch erleben werde, "aber ich bin sicher, daß sich die Schwerkraft irgendwann überwinden läßt. Das ist nur eine Frage der Zeit."

AGNES SCHÖNBERGER
 
 

Bildunterschrift:

Michael Göde vor einer Vakuumkammer.

Foto Dieter Rüchel


 
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2003, Nr. 191, S. 50  



Schwerkraft für eine Million Euro überwinden

as. WALDASCHAFF. Die Göde - Göde Wissenschafts-Stiftung in Waldaschaff vergibt erstmalig den "Göde-Preis für Gravitationsforschung". Die Auszeichnung in diesem Spezialgebiet der Experimentalphysik ist mit einer Prämie von einer Million Euro dotiert. Mitmachen kann jeder, dem es gelingt, in einem Experiment einen mindestens 20 Gramm schweren Testkörper in mindestens zehn Zentimeter Abstand von einer Auflagefläche über einen Zeitraum von einer Minute frei schweben zu lassen. Bekannte Levitations- Effekte, die etwa auf der Aerodynamik, dem Magnetismus oder der Elektrizität beruhen, sind nicht zugelassen. Mit der Auslobung des Preises wolle man neue Wege beschreiten, da sich die Wissenschaft in der Forschung zur Überwindung der Schwerkraft in einer Sackgasse befinde, äußerte Stiftungsgründer Michael Göde in einer Pressemitteilung. Nach seiner Darstellung ist die Gravitation von den vier in der Physik bekannten Wechselwirkungen die noch am wenigsten verstandene. Die Stiftung wurde vor vier Jahren gegründet. Sie hat sich die Erforschung der Gravitation und ihrer Phänomene zum Ziel gesetzt. Das Experiment muß nach den Wettbewerbsvorgaben von den Forschern der Göde- Göde Wissenschafts -Stiftung nachgebaut werden können und funktionieren. Ausgeschlossen sind lediglich die Mitarbeiter der Göde- Göde Wissenschafts-Stiftung oder deren Angehörige. Einsendeschluß ist der 31. Dezember 2004. Die Adresse lautet: Göde-Göde Wissenschafts-Stiftung, Institut für Gravitationsforschung, Am Heerbach 5 in 63857 Waldaschaff.
 
 
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